ETF-Auswahl für das Altersvorsorgedepot

Das neue Altersvorsorgedepot hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber der alten Riester-Rente: Es gibt keine Beitragsgarantie mehr, die den Anbieter zwang, einen Großteil des Geldes in renditelose Anleihen zu stecken. Das Ergebnis: Ihr gesamtes Kapital kann jetzt von Anfang an in Aktien-ETFs investiert sein. Welche ETFs dabei die erste Wahl sind, erfahren Sie hier.

1. Warum ETFs im AV-Depot so mächtig sind

ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden einen Marktindex (z. B. den MSCI World) passiv nach, ohne dass ein teurer Fondsmanager aktiv Aktien auswählt. Das hat zwei entscheidende Vorteile:

  • Niedrige Kosten: Die jährliche Verwaltungsgebühr (TER) liegt bei Top-ETFs bei nur 0,07–0,20 % – aktiv gemanagte Fonds kosten oft das 10-fache.
  • Wissenschaftlich belegt überlegene Rendite: Über 90 % der aktiv gemanagten Aktienfonds schlagen ihren Vergleichsindex langfristig nicht (Quelle: SPIVA Europe Scorecard 2024).

Im AV-Depot kommt ein dritter Vorteil hinzu: Kursgewinne und Dividenden sind während der gesamten Ansparphase steuerfrei. Keine Abgeltungssteuer, keine Vorabpauschale. Das macht den Zinseszins-Effekt über 20–30 Jahre dramatisch wirkungsvoller.

Rechenbeispiel: Steuervorteil im AV-Depot

Bei 200 € Sparrate/Monat, 7 % Rendite p.a. und 30 Jahren Laufzeit wächst das Kapital im normalen Depot (nach jährlicher Abgeltungssteuer) auf ca. 196.000 €. Im AV-Depot (steuerfreies Wachstum) auf ca. 228.000 € – ein Unterschied von über 32.000 € allein durch die Steuerfreiheit in der Ansparphase.

2. Welt-ETFs: Die drei Kandidaten im Vergleich

Für das AV-Depot eignen sich breit diversifizierte Welt-ETFs am besten. Die drei relevantesten Indizes:

Index Länder Unternehmen Schwellenländer Typische TER
MSCI World 23 Industrieländer ~1.500 Nein 0,10–0,20 %
FTSE All-World 49 Länder ~4.200 Ja (~11 %) 0,15–0,22 %
MSCI ACWI 47 Länder ~2.900 Ja (~10 %) 0,17–0,25 %

MSCI World: Der bewährte Klassiker

Der MSCI World ist der meistgekaufte ETF-Index in Deutschland. Er deckt die großen Industrienationen ab – USA machen dabei rund 70 % aus, gefolgt von Japan (~6 %), Großbritannien (~4 %) und Deutschland (~2,5 %). Wichtig: "World" klingt vollständiger als er ist – Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien sind nicht enthalten. Wer das stört, ergänzt ihn mit einem MSCI Emerging Markets ETF im Verhältnis 70/30.

FTSE All-World: Die echte Ein-ETF-Lösung

Der Vanguard FTSE All-World ist seit Jahren das Lieblings-ETF vieler Langzeitanleger. Er enthält über 4.200 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern in einem einzigen Fonds. Mit einer TER von 0,22 % ist er etwas teurer als ein reiner MSCI World – aber die Vereinfachung (ein Fonds, fertig) rechtfertigt das für die meisten Sparer vollständig. Für das AV-Depot ist er die Empfehlung der Redaktion für alle, die Komplexität vermeiden wollen.

MSCI ACWI: Ähnlich, aber teurer

Der MSCI ACWI ist dem FTSE All-World sehr ähnlich, enthält aber etwas weniger Unternehmen (~2.900 statt ~4.200) und hat tendenziell höhere Kosten. Er ist eine solide Alternative, aber der FTSE All-World hat in der Regel die Nase vorn.

3. Kosten entscheiden über Jahrzehnte

Der größte Fehler beim ETF-Kauf ist, die Kosten zu unterschätzen. Weil das AV-Depot auf 20–40 Jahre ausgelegt ist, summieren sich selbst kleine Gebührenunterschiede zu fünfstelligen Beträgen.

Was 0,20 % TER-Unterschied wirklich bedeuten

Bei 200 €/Monat und 30 Jahren Laufzeit kostet ein ETF mit 0,50 % TER gegenüber einem mit 0,20 % TER rund 14.000 € mehr an Gebühren – das Geld fehlt im Rentenkapital.

Achten Sie auf:

  • TER (Total Expense Ratio): Die jährliche Verwaltungsgebühr. Sollte für Welt-ETFs unter 0,25 % liegen.
  • Sparplan-Kosten beim Broker: Manche Broker bieten Top-ETFs im Sparplan kostenlos an (0,00 % Ordergebühr). Das spart bei 200 €/Monat je nach Broker 12–48 € pro Jahr.
  • Spread: Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs beim Handel. Bei liquiden ETFs typischerweise unter 0,1 % – vernachlässigbar bei Langzeitsparplänen.

4. Physisch oder synthetisch repliziert?

ETFs bilden ihren Index auf zwei Arten nach:

  • Physisch (full replication / sampling): Der ETF kauft tatsächlich die Aktien des Index. Transparent, kein Gegenparteirisiko. Empfehlung für das AV-Depot.
  • Synthetisch (swap-basiert): Der ETF nutzt einen Tauschvertrag mit einer Bank, um die Indexrendite nachzubilden. Marginal effizienter, aber mit einem theoretischen Gegenparteirisiko (in der EU auf 10 % begrenzt durch UCITS-Regulierung).

Für ein Vorsorgekonto, das jahrzehntelang läuft, ist physische Replikation die sicherere und transparentere Wahl. Fast alle gängigen MSCI World und FTSE All-World ETFs replizieren inzwischen physisch.

5. Thesaurierend vs. ausschüttend

Das AV-Depot hat in dieser Frage eine klare Antwort: thesaurierende ETFs gewinnen.

  • Thesaurierend: Dividenden werden automatisch reinvestiert. Der Zinseszins-Effekt läuft maximal. Im AV-Depot entfällt die Steuer auf die Thesaurierung vollständig.
  • Ausschüttend: Dividenden werden ausgezahlt. Im normalen Depot kann das sinnvoll sein (Nutzung des Sparerpauschbetrags). Im AV-Depot bringt das keinen steuerlichen Vorteil – und die Ausschüttung muss manuell reinvestiert werden.
Achtung: Ausschüttende ETFs sind im AV-Depot nicht verboten, aber ineffizient. Wählen Sie immer die accumulating (thesaurierende) Variante (im ETF-Namen oft erkennbar am Zusatz "Acc" oder "C").

6. Lifecycle-Strategie: Risiko mit dem Alter anpassen

Ein häufiger Fehler: Das Depot 30 Jahre lang auf maximales Aktienrisiko belassen und kurz vor der Rente einen Crash erleiden. Die Lösung heißt Glide Path (Risikopfad):

  • Bis 10 Jahre vor Rente: 100 % Aktien-ETFs (FTSE All-World o. ä.). Maximale Rendite, langer Zeithorizont puffert Schwankungen.
  • 10–5 Jahre vor Rente: Schrittweise Beimischung von Anleihen-ETFs (z. B. 80/20 Aktien/Anleihen). Volatilität senken.
  • 5 Jahre vor Rente: 60–70 % Aktien, 30–40 % Anleihen oder Geldmarkt-ETFs. Das Kapital vor einem letzten großen Crash schützen.

Manche Anbieter bieten im AV-Depot automatische Lifecycle-Fonds an, die diese Umschichtung selbst vornehmen. Das ist praktisch, kostet aber oft mehr TER als ein selbst verwaltetes Portfolio.

7. Fazit: Das empfohlene Setup

Für die große Mehrheit der AV-Depot-Sparer ist folgendes Setup ideal:

✅ Empfohlenes Basis-Setup
  • ETF: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc) – oder iShares MSCI ACWI UCITS ETF (Acc)
  • TER: 0,22 % bzw. 0,20 %
  • Replikation: Physisch (Sampling)
  • Ausschüttung: Thesaurierend (Acc)
  • Sparplan: Monatlich, bei einem Broker mit 0 € Sparplangebühr
  • Anpassung: Ab 10 Jahren vor Rente schrittweise Anleihen beimischen

Wer es etwas aktiver angehen möchte, kombiniert einen MSCI World ETF (70 %) mit einem MSCI Emerging Markets ETF (30 %) – das ergibt eine ähnliche Abdeckung wie der FTSE All-World, bei minimal niedrigeren Kosten.

Rechtlicher Hinweis: Alle Artikel auf AV-Depot24 dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Die beschriebenen gesetzlichen Parameter basieren auf dem Stand April 2026 und können sich durch Gesetzesänderungen anpassen. Bitte konsultieren Sie für Ihre persönliche Situation einen qualifizierten Steuerberater oder Finanzberater. Historische Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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