Über 16 Millionen Riester-Verträge wurden in Deutschland abgeschlossen. Viele ruhen inzwischen beitragsfrei – zu intransparent, zu teuer, zu enttäuschend in der Rendite. Das neue Altersvorsorgedepot soll es besser machen. Was genau ändert sich?
1. Warum Riester scheiterte
Die Riester-Rente hatte strukturelle Probleme, die sich auch durch günstigere Produkte nicht vollständig lösen ließen:
- Beitragsgarantie = schlechte Rendite: Der Gesetzgeber schrieb vor, dass zum Renteneintritt mindestens alle eingezahlten Beiträge inkl. Zulagen vorhanden sein müssen. Das zwang Anbieter, Kapital in niedrig verzinste Anleihen zu parken – in einer Niedrigzinsphase eine Renditefalle.
- Hohe Kosten: Versicherungsbasierte Riester-Produkte hatten oft 1,5–3 % jährliche Kosten – ein Vielfaches günstiger ETF-Sparpläne.
- Komplexität: Hunderte unterschiedlicher Produkte, undurchsichtige Bedingungen, mühsame Steuererklärung.
- Rentabilität nur bei langer Laufzeit: Wer jung stirbt oder früh kündigt, verlor systematisch.
- Schlechte Anpassungsfähigkeit: Beitragsänderungen, Anbieterwechsel und flexible Entnahmen waren aufwendig oder unmöglich.
2. Der direkte Vergleich: 10 Kriterien
| Kriterium | Riester-Rente (alt) | AV-Depot (neu) |
|---|---|---|
| Förderung | 175 € Grundzulage (Fix) | 20 % auf Einzahlung (max. 600 €) |
| Kinderzulage | 185–300 € je Kind (Fix) | 25 % auf Einzahlung (max. 300 €/Kind) |
| Beitragsgarantie | ❌ Ja (renditeschädlich) | ✅ Nein (volle Aktienrendite möglich) |
| Anlagemöglichkeiten | Eingeschränkt (je nach Produkt) | Freie ETF-Auswahl |
| Typische Kosten | 1,0–2,5 % p.a. (Versicherungen) | 0,10–0,25 % p.a. (ETF-TER) |
| Historische Renditeerwartung | 1–3 % p.a. (nach Kosten & Garantie) | 5–8 % p.a. (Aktien-ETFs, historisch) |
| Flexibilität | Gering (Anbieterwechsel aufwendig) | Hoch (Beiträge, Wechsel einfach) |
| Auszahlungsform | Rente (lebenslang) vorgeschrieben | Entnahmeplan aus Depot möglich |
| Transparenz | Oft undurchsichtig | ETF-Kurse täglich einsehbar |
| Vererbbarkeit | Eingeschränkt (nach Vertragstyp) | Restkapital vererbar |
3. Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Bestehende Riester-Verträge laufen automatisch weiter. Es gibt drei Optionen:
- Weiterlaufen lassen: Der Riester-Vertrag bleibt bestehen und wird weiter bedient. Sinnvoll, wenn die Konditionen gut sind und der Rentenbeginn nahe ist.
- Beitragsfrei stellen: Einzahlungen stoppen, Kapital bleibt verzinst im Vertrag. Neue Förderung gibt es nicht mehr – aber das aufgebaute Kapital bleibt erhalten.
- Übertragen ins AV-Depot: Das Riester-Guthaben kann in ein neues AV-Depot übertragen werden. Dabei fallen keine Zulagenrückforderungen an, sofern die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind. Die Kosten der Übertragung variieren je nach Riester-Anbieter.
4. Wann lohnt ein Wechsel?
Ob ein Wechsel vom Riester-Vertrag ins AV-Depot sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
Wechsel tendenziell sinnvoll, wenn...
- Der Riester-Vertrag noch lange läuft (15+ Jahre bis Rente)
- Die jährlichen Kosten des Riester-Produkts über 1 % liegen
- Das Kapital im Riester-Vertrag noch gering ist (geringe Übertragungskosten relativ zum Kapital)
- Sie mehr Flexibilität bei der Anlage wünschen
Wechsel eher nicht sinnvoll, wenn...
- Der Rentenbeginn in weniger als 10 Jahren liegt
- Hohe Übertragungskosten beim alten Anbieter anfallen
- Der Riester-Vertrag bereits sehr gute ETF-Konditionen bietet (z. B. ETF-Riester-Policen neuerer Generation)
Eine individuelle Beratung durch einen unabhängigen Honorarberater (kein provisionsbasierter Finanzberater) lohnt sich bei dieser Entscheidung fast immer – die Unterschiede können je nach Vertrag fünfstellig sein.